Was wie ein Wortspiel klingt, ist viel mehr. Branka ist eine junge Frau, die in Potsdam lebt und ihre Ausbildung als Erzieherin macht. Balanka wiederum ist ein Ort in Togo. Wie das nun zusammen in eine Überschrift und zu A Bleistift FOR EVERYONE passt, erfahren Sie im Artikel.

Die Steuben Gesamtschule in Potsdam unterstützt seit vielen Jahren den Verein Bildung in Balanka e.V. partnerschaftlich. Einige von Branka Schwab Rocuant Mitschülern an den Beruflichen Schulen Hermannswerder haben früher die Steuben Gesamtschule besucht und Branka in vielen Gespräche über diese Kooperation berichtet. Hier entstand das Interesse an Togo und eben speziell an Balanka.

Bildung für Balanka e.V.

Frau Koko N’Diabi Affo-Tenin, gebürtig aus Balanka und in Potsdam verheiratet, hat 1999 mit Hilfe der Steuben Gesamtschule den Verein Bildung in Balanka e.V. ins Leben gerufen. Im Rahmen des Vereins wurden Bücher für Balanka angeschafft und später, u.a. mit Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eine Bibliothek aufgebaut. Diese Bibliothek ist bis heute Anlaufstelle für Balanka. Hier treffen sich die Kinder zum Spielen oder zum Lernen und auch viele Erwachsene nutzen die Bibliothek. Jugendliche, die in Balanka ihr freiwilliges soziales Jahr machen, bieten hier Englischunterricht oder verschiedene andere Angebote an.

Die Hoffbauer Stiftung, die uns unterstützt, ist Träger der Beruflichen Schulen Hermannswerder, an der Branka ihre Ausbildung zur Erzieherin absolviert. An der Schule wurde über unsere Projekte berichtet. Und hier schließt sich der Kreis. Branka hat eine Reise mit einer Gruppe junger Menschen aus Potsdam nach Balanka unternommen und unsere Bleistifte dorthin mitgenommen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland haben wir Branka getroffen und sie zu ihren Eindrücken der Reise befragt. Dieses Interview möchten wir hier zusammengefasst wiedergeben.

Umwerfend offene und freundliche Menschen

Branka war völlig begeistert von den vielen, vielen Kindern in Balanka. Eine ganze Schar hat sie und ihre Kollegen willkommen geheißen. Europäer sind eher selten in Togo und so war die Reisegruppe aus Deutschland ein echter Hingucker. Die Kinder, die Branka sehr bestaunt haben, wollten sie auch anfassen und ihre Haare berühren. Branka fand das lustig, hatte aber auch bald das Bedürfnis nach etwas Abstand. Also ist sie fröhlich aufgestanden und wollte sich zurückziehen.

Womit sie nicht gerechnet hat war, dass ihre begeisterten Anhänger ihr hinterherlaufen würden. Je schneller sie wurde, je schneller liefen auch die Kinder hinter ihr her. Eine wilde und übermütige Rennerei durch das Dorf entstand, der sich Branka dann fröhlich ergeben hat. 

Überhaupt scheinen die Menschen in Balanka nach Aussage von Branka, viel Zeit zu haben und keine Hektik. Das fehlende Handy lässt die Menschen miteinander reden und sie verbringen viel Zeit mit Kommunikation und Spiel. So konnte sie viel über das einfache Leben der Menschen erfahren und ihnen auch nahe kommen. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen hat Branka sehr berührt und sie konnte viel über die Lebensweise und die Region erfahren. Da die Region sehr ärmlich ist, ist kein Spielzeug vorhanden. Es wird improvisiert. Zum Fußballspielen wird beispielsweise schon einmal eine Orange genommen. Die Kinder wissen sich zu helfen und strahlen Freude und Fröhlichkeit aus.

 

Arbeiten in Balanka

Branka war erstaunt über den sorglosen Umgang mit Plastik. Alles wurde in Plastiktüten verpackt und überall lagen alte Plastiktüten herum, die einfach weggeworfen worden waren. Während eines Workshops mit 10. Klassen wurde das Thema Umweltschutz angesprochen und Branka und ihre Kolleginnen und Kollegen haben vermittelt, wie man mit wesentlich weniger Plastik auskommen kann.

Branka und ihre Mitreisenden haben neben Unterrichtseinheiten auch die Krankenstation in Balanka renoviert. Dabei musste Putz abgeschlagen, Wände neu verputzt und gestrichen werden. Während der Renovierungsarbeiten wurden zwei Babys in der Krankenstation geboren. Kam eine Schwangere zur Entbindung in die Krankenstation, wurden die Arbeiten unterbrochen. Wenn das Kind dann geboren war, haben das alle gemeinsam gefeiert und das Baby wurde voller Stolz herumgereicht und auch die Renovierer durften es halten. Die Normalität, mit der Arbeit und Leben Hand in Hand gehen, hat Branka sehr beeindruckt.

 

Ihr Blick auf Balanka ist stark von den Kindern geprägt. Überall laufen sie herum und sind omnipräsent. Branka sprach von “Massen an Kindern”, die meist fröhlich und ausgelassen sind. Wie früh die Kinder dort allerdings auch Verantwortung tragen, hat Branka überrascht. Während bei uns Kinder kaum bzw. keinerlei Verantwortung übernehmen, müssen dort bereits sechsjährige auf ihre kleineren Geschwister aufpassen, weil die Eltern arbeiten gehen. Branka hätte sich hier gerne ein wenig Ausgleich gewünscht: Dass die Kinder in Balanka mehr Kind sein dürfen und dass die Kinder in Deutschland vielleicht den ein oder anderen Teil Verantwortung übernehmen dürfen. Ihr Blick als angehende Erzieherin hat sich auf jeden Fall geschärft.

Kulturschock in der Hauptstadt

Schockiert war sie von der Hauptsstadt Lomé. Nicht wegen der Menschen, sondern wegen des vielen Drecks. In den Slums wateten die Menschen bis zu den Knien im Müll. Überall lagen Tüten herum und es stank. Besonders schockierend war für Branka, als sie einen Mann regungslos am Straßenrand liegen sah, der überhaupt nicht beachtet wurde.
Die perspektivlose Armut in der Hauptstadt stand im krassen Gegensatz zu der ärmlichen Fröhlichkeit, die sie zuvor in Balanka erlebt hatte.

Was Branka mitgenommen hat

Hatte sie vor ihrer Reise gedacht, dass ihre 1-Zimmer Wohnung doch recht spartanisch sei, kam sie ihr nach der Rückkehr wie purer Luxus vor. In Afrika würden vermutlich bis zu 8 Personen in diesem Zimmer leben.
Auch hat sie sich viele Gedanken um das Glück gemacht und was Reichtum damit zu tun hat. Sie sagte: „Wir haben so viel und sind oft so unglücklich – in Togo haben die Kinder nichts und leben so glücklich.”.

Sie sei verändert wiedergekommen, sagt sie. Denn die eigene Welt wurde einmal komplett durchgerüttelt. Das Bewußtsein, wie wenig man zum Glücklich-Sein benötigt, wird ihr wohl immer in Erinnerung bleiben.

 

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