Vor gerade einmal fünf Wochen sind wir von Sainte-Marie zurückgekehrt. Inzwischen haben beide Schulen in Vohilava feste Zusagen von Schulpaten erhalten, und auch für den Großteil der übrigen Vorhaben haben wir bereits Zusagen von Spenderinnen und Spendern. Dass dies so schnell gelungen ist, hat uns fast überwältigt.

Für das CEG Vohilava, die weiterführende Schule mit 329 Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 10, hat die Gerckens-Stiftung die Schulpatenschaft übernommen. Seit Oktober trägt sie die jährlichen laufenden Kosten der Schule, und vor Ort wird bereits geplant, beschafft und angepackt.

Dazu gehört zunächst das Schulmaterial. Als Erstes werden vor Ort didaktisches Material für den Mathematikunterricht, also Zirkel, Winkelmesser und Lineale, besorgt. Außerdem richten wir ein kleines Materiallager ein. Kinder, die keine Hefte oder Stifte haben, bekommen sie dort direkt. So soll kein Unterricht mehr daran scheitern, dass einem Kind das Nötigste fehlt.

Die Stiftung finanziert außerdem eine monatliche Bonuszahlung für die Lehrkräfte. Wie wir in unseren Berichten vom Schulbesuch geschildert haben, werden nur neun der Lehrkräfte vom Staat bezahlt, und das nicht ausreichend. Die übrigen arbeiten als Volontäre und erhalten nur ein kleines Entgelt aus den Schulgebühren, die viele Eltern nicht aufbringen können. Seit Oktober bekommen alle Lehrkräfte, die festangestellten ebenso wie die sechs Volontäre, eine monatliche Zuzahlung. An unserer Partnerschule in Toliara hat genau dieses Modell die Anwesenheit der Lehrkräfte auf 95 Prozent gesteigert.

Hinzu kommen zwei bis drei Fortbildungen im Jahr. Welche Themen am sinnvollsten sind, entscheiden die Lehrkräfte selbst. Eigentlich wollten wir mit Französisch beginnen, doch die große Mehrheit des Kollegiums hat sich für eine IT-Schulung ausgesprochen, die nach Möglichkeit noch in diesem Jahr stattfinden soll.

Für rund 15 Prozent der Familien sind die Einschreibegebühren schlicht nicht zu stemmen. Diese Gebühren übernimmt ab sofort ebenfalls die Stiftung, damit kein Kind die Schule verlassen muss, weil das Geld fehlt.

Schließlich trägt die Stiftung die Instandhaltung der Schule. Eine Schule einmal zu renovieren und sie danach wieder verfallen zu lassen, hilft niemandem. Unsere Aufgabe ist es, Schulen dauerhaft gut zu betreiben. Deshalb stellen wir einen Hausmeister ein, der derzeit gesucht wird. Er soll kleine Schäden sofort beheben, bevor größere daraus entstehen, und dafür sorgen, dass kein Unterricht ausfällt, nur weil etwa eine Glühbirne kaputt ist. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern kümmert er sich auch um den Schulhof, übernimmt kleine Streicharbeiten und repariert Mobiliar. Dafür bekommt er an der Schule ein eigenes Lager mit Werkzeug und Ersatzmaterial. Die Schulleitung wählt ihn aus, legt gemeinsam mit ihm fest, was in dieses Lager gehört, und führt Listen über seine Aufgaben. Die Lehrkräfte melden, was defekt ist, damit er sich darum kümmern kann.

Auch die Renovierung gehen wir nicht auf einmal an, sondern Stück für Stück nach Priorität. Die Schulgemeinschaft erstellt dafür einen Plan, was unmittelbar nötig ist, damit der tägliche Schulbetrieb ohne Einschränkungen funktioniert, und was in eine spätere Sanierung gehört. Begonnen wird mit der Elektrik und dem Anstrich eines Gebäudes. Danach sanieren wir Gebäude für Gebäude. Der Schreiner war ebenfalls schon an der Schule: 57 Tisch-Bänke werden neu angefertigt und 52 repariert, damit alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte einen ordentlichen Arbeitsplatz haben.

Für die Bibliothek konnten wir eine Schule in Deutschland gewinnen. Das Wittelsbacher-Gymnasium in München hat ABFE zu seinem sozialen Zweck in diesem Schuljahr gewählt. Mit einem Spendenlauf, einem Adventsbasar und weiteren Aktionen sammeln die Schülerinnen und Schüler Spenden für ein Bibliotheksgebäude am CEG Vohilava. Es soll eingerichtet und mit altersgerechter Literatur ausgestattet werden, mit Fachbüchern ebenso wie mit Romanen, auf Malagasy, Französisch und Englisch. Auch ein Beamer soll angeschafft werden. 

Im September 2027 reisen wir voraussichtlich gemeinsam mit der Gerckens-Stiftung nach Sainte-Marie. Dann wollen wir sehen, was sich in der Zwischenzeit verändert hat, wie es um die Motivation an der Schule steht, inwieweit sich die Lernbedingungen verbessert haben und was wir zusätzlich anstoßen können. Wir hoffen sehr, bei diesem Besuch auch die neue Bibliothek einweihen zu können.

Wer vor Ort ist, sieht die Missstände mit eigenen Augen. Man spricht mit den Menschen und sieht in ihren Augen die Hoffnung, dass sich nun endlich etwas ändert. Die Lehrkräfte am CEG haben uns offen erzählt, dass sie schon mit vielen Menschen gesprochen haben und sich trotzdem nie wirklich etwas verändert hat. Und doch haben sie sich wieder Zeit für uns genommen, alles sorgfältig zusammengetragen und uns ihre Schule gezeigt, so wie sie es wohl schon oft getan haben. Umso schöner ist es, dass wir ihnen nach so kurzer Zeit sagen können: Danke für Euer Vertrauen, Eure Schule hat jetzt eine Perspektive. Das motiviert nicht nur die Schulgemeinschaft, sondern auch uns. Wir sind noch immer ganz beseelt davon, dass die Grundlage so schnell geschaffen ist, um nun gemeinsam bessere Lernbedingungen und damit eine bessere Zukunft für die Jugendlichen in Vohilava zu schaffen. Dafür danken wir der Gerckens-Stiftung und dem Wittelsbacher-Gymnasium von ganzem Herzen.