Manchmal beginnt eine Partnerschaft nicht mit einer Idee, sondern mit einem Satz auf einer Veranstaltung: „Sie müssen sich unbedingt mit Noel von Hackers4Good vernetzen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie beide etwas für einander tun können.“
Solche Empfehlungen bekommen wir öfter, und wir bemühen uns eigentlich immer, ihnen nachzugehen. In diesem Fall kam der Hinweis in einer sehr vollen Zeit, und der Anfang war entsprechend mühselig – mal hatte ich keine Zeit, mal Noel nicht. Auch Noel erinnert: „Über diverse Umwege und anfangs etwas holprig sind wir dann auf ABFE gestoßen – und schon nach dem ersten Gespräch war klar: Das matcht für uns zu hundert Prozent.“ Als das Telefonat dann endlich zustande kam, geschah es zunächst fast pflichtschuldig: Wir wollten der Empfehlung einfach gerecht werden. Schon in diesem ersten Gespräch merkten wir aber, wie gut unsere Organisationen zueinander passen und wie sehr wir uns in vielen Bereichen ergänzen. Es entstanden sofort konkrete Ideen – und ein festes Commitment, gemeinsam etwas umzusetzen.
Hackers4Good e.V. ist eine deutschlandweite Community von IT- und Security-Expertinnen und -Experten, die ihr Fachwissen mit gemeinnütziger Arbeit verbinden. Ihr Kernanliegen ist die digitale Bildung von Kindern und Jugendlichen, und der Verein engagiert sich dabei auch international.
Woher dieses internationale Engagement kommt, erklärt Noel so: „Wir wollen IT- und Technologieausbildung auch dort etablieren, wo die Rahmenbedingungen schwierig sind. Nachdem wir in Südafrika in den letzten 17 Jahren gemeinsam mit einem Partner ein ganzes System geschaffen haben, in dem Kinder aufwachsen und lernen können, war es unser Herzenswunsch, uns auch in Nepal und anderen Ländern zu engagieren.“

Ein IT- und KI-Labor in den Bergen Nepals
In den folgenden Wochen wurden aus den ersten Ideen sehr schnell konkrete Pläne. Gemeinsam wollen wir unsere Grund- und Sekundarschule Arunodaya in Simthali mit einem IT- und KI-Labor ausstatten, damit auch die Jugendlichen in dieser abgelegenen Bergregion Zugang zu digitaler Bildung und dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz erhalten. Noel stellt entsprechend Computer zur Verfügung und übernimmt die dauerhafte Bezahlung einer Lehrkraft, die den Jugendlichen den Umgang mit KI beibringt.
Bei der Planung mit unseren Partnern vor Ort, Ram und Sitaram, wurde entschieden, dafür einen bislang leerstehenden Raum an der Schule einzurichten. Als klar wurde, wie häufig dort der Strom ausfällt – und damit auch der reguläre Computerunterricht –, hat Noel recherchiert und die Idee eingebracht, Solarpanels auf dem Dach der Schule zu installieren. Aus einem IT-Projekt wurde so schnell mehr: eine verlässliche Stromversorgung für die ganze Schule. Unsere Partner vor Ort waren von dieser Aussicht sichtlich bereichert.


Bei jedem Schritt haben wir gemeinsam und kooperativ besprochen, wer welche Kosten übernimmt und wer sich um welchen Teil der organisatorischen Umsetzung kümmert. Inzwischen ist die Solaranlage installiert, die Möbel für den neuen Raum sind besorgt, und die Renovierung läuft. Bei meinem Besuch im November wird der Raum offiziell eröffnet.
Als nächster Schritt steht nun eine wirklich schnelle Internetverbindung für die Schule an – ohne sie nützt auch das beste IT- und KI-Labor nur wenig. Dafür müssen sämtliche Details mit der örtlichen Telefongesellschaft geklärt werden, was sich in dieser abgelegenen Bergregion alles andere als einfach gestaltet. Noel hat sich darum gekümmert, dass auch dieser Schritt umgesetzt werden kann.



Warum Kooperation stärker macht als Konkurrenz
Ich erlebe es immer wieder: Viele Organisationen grenzen sich lieber voneinander ab, aus Sorge, potenzielle Spender könnten abwandern. Meine Erfahrung ist eine andere. Gerade weil jede Organisation unterschiedliche Fachkompetenzen mitbringt, kann durch Kooperation so viel mehr entstehen, als jede für sich schaffen könnte. Noel und sein Team sind mit Hackers4Good ganz auf IT fokussiert – ein Bereich, den auch wir sehr ernst nehmen, für den uns aber oft die Mittel fehlen und auch Fachkompetenz. Unsere eigene Aufgabe liegt vor allem darin, Bildung überhaupt erst zu ermöglichen: dass Kinder zur Schule kommen, ausreichend Schulmaterial haben und genug fortgebildete Lehrkräfte vor Ort sind.
Auch Noel sieht genau darin den Reiz der Zusammenarbeit: Es geht Hackers4Good nicht darum, hier und da nur ein bisschen Geld zuzuschießen, sondern wirklich etwas zu tun – Projekte sollen ins Laufen kommen, statt in bürokratischem Aufwand zu versinken.


Und es geht weiter
Das nächste gemeinsame Projekt ist schon in Planung: Unsere weiterführende Schule in Madagaskar wird mit zehn Tablets ausgestattet, damit sich die Kinder dort vor Ort informieren und über Lernprogramme auch Französisch lernen können. Weitere mögliche Kooperationen sind bereits im Gespräch – wir berichten, sobald sie spruchreif sind.
Ich bin sehr dankbar, dass wir beide trotz der anfänglichen Schwierigkeiten so hartnäckig waren, dieses erste Gespräch überhaupt zu führen. Ohne diese Beharrlichkeit hätte es diese Kooperation nie gegeben. Noel bringt es so auf den Punkt: „Die Bildungsinitiativen von ABFE, ergänzt durch unseren technologischen Ansatz, bilden aus unserer Sicht die perfekte Symbiose für echte Veränderung.“ Genauso empfinde ich es auch – und ich freue mich sehr auf alles, was noch folgen wird.