Am 10. Juni reise ich nach Togo, um mir Schulen anzuschauen, die wir perspektivisch unterstützen könnten. Ziel der Reise ist Balanka, ein Ort im Norden des Landes mit rund 12.000 Einwohnern inklusive der umliegenden Gemeinden.
Togo liegt in Westafrika zwischen Benin und Ghana, unterhalb von Burkina Faso. Das Land hat eine vielschichtige Geschichte und ist von einer großen kulturellen und sprachlichen Vielfalt geprägt. Historisch war Togo zeitweise eine deutsche Kolonie und später unter französischer Verwaltung, bevor es 1960 unabhängig wurde. Diese Vergangenheit wirkt bis heute in Strukturen nach, unter anderem in der Amtssprache Französisch. Gleichzeitig ist es wichtig, den Blick nicht darauf zu verengen. Togo ist geprägt von vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Lebensrealitäten, die das Land heute ausmachen.
Insgesamt werden etwa 43 verschiedene Sprachen gesprochen, die überwiegend mündlich weitergegeben werden. Eine einheitliche Landessprache gibt es nicht. Französisch fungiert als gemeinsame Verständigungssprache, insbesondere im Bildungssystem, wo auch alle Schulbücher auf Französisch sind.


Warum Togo?
Wir sind aktuell auf der Suche nach einem neuen Projektland. In diesem Zusammenhang hat sich Togo durch den Kontakt zu Koko ergeben.
Koko stammt aus Balanka. Sie ist dort aufgewachsen und hat die Grundschule vor Ort besucht. Für die weiterführende Schule musste sie den Ort verlassen und nach Sokodé gehen. Dort hat sie ihr Abitur gemacht und ist damit das erste Mädchen aus Balanka, dem das gelungen ist.
Anschließend begann sie ein Studium in Lomé und kam später nach Deutschland, um hier Betriebswirtschaft weiter zu studieren. Heute lebt sie in Potsdam

Engagement für Balanka
Ich fand es äußerst bemerkenswert, wie zielstrebig sich Koko für ihre Heimat einsetzt. Sie engagiert sich seit Jahren konsequent für die Bildungsentwicklung in Balanka.
Bereits beim Aufbau des Collège hat sie eine wesentliche Rolle gespielt. Sie hat sich nicht nur dafür eingesetzt, dass diese Schule überhaupt entsteht, sondern unterstützt sie bis heute, insbesondere durch die Bereitstellung von Schulmaterialien. Mithilfe von Förder- und Spendengeldern konnte auch ein Schulgebäude für das Collège realisiert werden.
Zu Beginn stellte die Regierung für das Collège lediglich einen Direktor und einen Sportlehrer zur Verfügung. Vieles Weitere musste parallel aufgebaut und organisiert werden.
Nachdem die ersten Schülerinnen und Schüler das Collège erfolgreich abgeschlossen hatten, hat Koko erneut den Austausch mit dem Bildungsministerium gesucht, um den nächsten Schritt zu ermöglichen.


Ein Gymnasium im Aufbau
In Gesprächen mit dem Bildungsministerium hat sie sich dafür eingesetzt, dass in Balanka ein Gymnasium entsteht, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Schullaufbahn vor Ort fortsetzen können.
Die Genehmigung dafür wurde erteilt. Der Aufbau erfolgt schrittweise, Jahrgang für Jahrgang. Im kommenden Jahr sollen die ersten Schülerinnen und Schüler in Balanka ihr Abitur machen.
Auch hier zeigen sich die Herausforderungen deutlich. Es gibt bislang kein Schulgebäude, und es fehlt an grundlegender Ausstattung.
Genau das werden wir uns vor Ort im Detail ansehen.



Unser Ansatz
Neben dem Gymnasium werden wir uns auch die Grundschulen in Balanka anschauen. In der Regel beginnen wir unsere Arbeit mit der Unterstützung von Grundschulen und entwickeln die Zusammenarbeit anschließend weiter.
Gleichzeitig zeigt sich immer wieder, dass bestehende Ansätze nicht einfach übertragbar sind. Deshalb ist es wichtig, die konkrete Situation vor Ort zu verstehen und gemeinsam mit lokalen Partnern passende Lösungen zu entwickeln.

Ausblick
Ich bin sehr gespannt auf diese Reise und die Eindrücke vor Ort. Besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Koko.
Wenn sich bestätigt, was wir aktuell sehen und hören, kann hier ein langfristiges Projekt entstehen, das Bildung in Balanka nachhaltig stärkt.