Neben der EPP Vohilava haben wir auf Sainte-Marie auch eine weiterführende Schule besucht, das CEG Vohilava.

Wie schon bei der Grundschule berichtet, gilt auch hier vieles: marode Klassenräume, zu wenig Tische und Bänke, zu wenig Lehrkräfte. Die Lehrkräfte selbst sind sich bewusst, dass ihnen für ihre anspruchsvolle Aufgabe wichtige Grundlagen fehlen, und wünschen sich, ähnlich wie ihre Kolleginnen und Kollegen an der Grundschule, gezielte Fortbildungen, um ihren eigenen Wissensstand zu erweitern und ihren Unterricht besser vorzubereiten und zu gestalten. Erschwerend kommt an einer weiterführenden Schule hinzu, dass es an ausreichendem pädagogischem Anschauungsmaterial fehlt. Weder Poster oder Roll-ups für den Biologieunterricht noch Modellskelette, Anschauungsmodelle oder Mikroskope sind vorhanden. Es gibt keinerlei Möglichkeiten für Experimente, auch nicht für Chemie: keine Chemikalien, keine Reagenzgläser, überhaupt kein Equipment.


Das Einzige, was die Schule besitzt, sind die Gebäude und wenige, vom Staat finanzierte und in der Anzahl unzureichende Schulbücher. Didaktisches Material fehlt in praktisch allen Bereichen. Das bedeutet nicht nur, dass der Lehrstoff sehr trocken vermittelt wird, sondern dass ganze Bereiche gar nicht unterrichtet werden können, obwohl an einer weiterführenden Schule viel vielschichtiger und mit deutlich mehr Tiefgang gelehrt werden müsste. Auch fehlt es an technischer Ausstattung wie Beamern oder Computern, mit denen die Lehrkräfte ihren Unterricht digital vorbereiten und gestalten könnten. Der Unterricht bleibt dadurch ganz klassisch: Der Lehrstoff wird aus dem Buch an die Tafel geschrieben und von den Kindern abgeschrieben. Das macht es naturgemäß schwierig, die Kinder zu motivieren und ihnen zugleich gute Bildung zu vermitteln, denn beides muss Hand in Hand gehen. Zudem gibt es weder Kunstunterricht noch Material dafür, ebenso wenig Musikunterricht.
Auch beim Sport sieht es ähnlich aus. Es gibt zwar einen Sportplatz, aber keine Tore, keine Basketballkörbe, keine Bälle, keine Springseile, nichts zum Werfen, kurz gesagt kein sportliches Gerät. Gleichzeitig sind sowohl Teamsport als auch Einzeldisziplinen wie Weitwurf Prüfungsfach im mittleren Schulabschluss. Die Kinder können dafür schlicht nicht üben, weil ihnen jegliches Material fehlt.

Wir suchen auch für diese Schule einen Schulpaten, der bereit ist, mittel- bis langfristig zu unterstützen. Auch hier gilt das gleiche Problem wie bei der Grundschule: Viele Eltern sind zu arm, um Schulmaterial, Schulgeld oder die verpflichtende Schuluniform zu bezahlen. Von den Lehrkräften werden neun vom Staat bezahlt, allerdings unterbezahlt; weitere fünf arbeiten unbezahlt als Volontäre und finanzieren sich, wie auch an der Grundschule, über Schulgelder, die Eltern oft nicht zahlen können. Wir brauchen außerdem eine zusätzliche Lehrkraft.

Neben der laufenden Finanzierung freuen wir uns, wenn sich ein Schulpate auch an folgenden Investitionen beteiligen könnte, wobei diese auch anderweitig finanziert werden können:
- Laufende Unterstützung bei Schulmaterial, Schuluniformen und Schulgeldern
- Ein zusätzliches Gehalt für die neun festangestellten und die fünf unbezahlten Lehrkräfte sowie die Möglichkeit, eine weitere Lehrkraft zu engagieren
- Fortbildung der Lehrkräfte
- Renovierung des Schulgebäudes
- Renovierung des Sportplatzes und Anschaffung von Sportmaterial
- Einrichtung naturwissenschaftlicher Labore
- Einrichtung eines IT-Raums, denn Jugendliche brauchen heute IT-Kenntnisse
- Einrichtung einer Bibliothek mit Büchern, Computern und Tablets
Die Lehrkräfte berichteten uns, dass die Lesekompetenz der Kinder oft nicht gut ist, zumal sie mehrere Sprachen parallel lernen müssen: zuerst die Inselsprache, dann Malagasy, dann Französisch als ehemalige Kolonial- und heutige Amtssprache, und zusätzlich Englisch. Die geplante Bibliothek soll deshalb nicht nur Bücher in mehreren Sprachen bieten, sondern auch mit Computern und Tablets ausgestattet werden, damit die Kinder den Umgang damit einüben können. Sehr gerne würden wir außerdem einen Beamer anschaffen, um regelmäßig Filmabende zu Wissensthemen zu veranstalten, aber auch einfach, um den Kindern Freude und ein Stück unbeschwerte Jugend zu schenken.


Etwas, das uns bei diesem Besuch besonders aufgefallen ist: Die Klassen sind nicht altersgleich zusammengesetzt. Auch hier wird nach jedem Schuljahr geprüft, ob das Klassenziel erreicht wurde, statt Kinder allein nach ihrem Alter in die nächste Stufe aufsteigen zu lassen. Das führt dazu, dass manche Kinder, die erst später eingeschult wurden, mit acht bis zehn Jahren noch in der ersten Klasse sitzen, während andere mit zehn Jahren bereits die weiterführende Schule besuchen und sich in der siebten Klasse befinden. Am CEG gibt es in dieser Eingangsklassenstufe drei parallele Klassen: In der ersten sind die Kinder zwischen zehn und elf, in der zweiten zwölf und dreizehn, in der dritten vierzehn bis sechzehn Jahre alt. Die jüngste Klasse versammelt damit meist die ambitioniertesten und leistungsstärksten Kinder der Jahrgangsstufe.

Etwa 25 Prozent der Kinder brechen die Schule ab, weil ihre Eltern die Schulgebühren nicht bezahlen können oder kein Schulmaterial kaufen. Für rund 10 Prozent davon, tatsächlich bedürftige Familien, möchten wir die Schulgebühren vollständig übernehmen. Für weitere 5 Prozent, kluge und engagierte Kinder, deren Eltern der Schulbildung trotz vorhandener Mittel keine Bedeutung beimessen, möchten wir den Schulbesuch ebenfalls weiterhin ermöglichen. So sichern wir gezielt den Kindern die Bildung, die lernen möchten.
Besonders erwähnenswert: Wir hatten noch nie mit einer Schule ein derart gut vorbereitetes Treffen. Unsere Partnerin Rova hatte die Schule vorab informiert, worum es geht und in welchen Bereichen wir grundsätzlich unterstützen. Die Schulleitung und die Lehrkräfte kamen jedoch nicht mit einer pauschalen Wunschliste, sondern mit einer durchdachten, realistischen Aufstellung dessen, was eine weiterführende Schule tatsächlich für die Wissensvermittlung braucht. Wo möglich, hatten sie bereits Preise recherchiert und uns vorgelegt, und sie hatten sich auch schon konkrete Gedanken zur Umsetzung gemacht. Bei der geplanten Bibliothek etwa sagten sie uns: Wenn wir den Raum finanzieren, kümmert sich die Schulgemeinschaft selbst um Möblierung und Regale, wir müssten dann nur die Bücher finanzieren. Es war ihnen ein Anliegen, ihren eigenen Anteil beizutragen, statt einfach zu erwarten, dass wir alles übernehmen. Diese Haltung, dass es sich wirklich um eine Zusammenarbeit handelt und nicht nur ums Geben, hat uns sehr beeindruckt und zeigt, mit welchem Engagement diese Schulgemeinschaft an ihrer eigenen Zukunft arbeitet.

Falls Sie sich vorstellen können, diese Schule zu unterstützen, sei es umfassend oder auch nur in einzelnen Bereichen und einmalig, sprechen Sie uns gerne an.