Bei unserem Besuch der EPP Vohilava auf Sainte Marie, Madagaskar, haben wir auch zwei Jungen zu Hause besucht: Randy, acht Jahre alt, und seinen großen Bruder Layan, zehn Jahre alt.

Gemeinsam mit ihren Eltern leben die beiden in drei kleinen Hütten. Eine dient als Küche, gekocht wird draußen, wie es auf Sainte-Marie üblich ist. In der zweiten befindet sich der Schlafplatz der Eltern, in der dritten stehen ein Sofa und der Schlafplatz der Kinder. Auf der Insel sind die meisten Familien seit Generationen ansässig und haben ein Stück Land vererbt bekommen, auf dem sie ihre Hütten errichten und kleine Ackerflächen bewirtschaften. Davon können sie sich selbst versorgen und mitunter noch etwas auf dem Markt verkaufen. Die Mutter ist fest in einem Hotel angestellt, ein Vorteil, den die touristische Infrastruktur der Insel mit sich bringt. Der Vater ist Tagelöhner und muss sich jeden Tag neu auf die Suche nach Arbeit machen.

Im Vergleich zu vielen unserer Kinder in anderen Ländern geht es der Familie etwas besser, weil sie sich über ihr eigenes Land mit Lebensmitteln versorgen kann. Dennoch bleibt die Armut, unter der sie leidet, aus unserer Sicht weiterhin sehr groß.

Layan hatte mit sechs Jahren einen Unfall mit einem Motorrad, über dessen genaue Umstände wir nichts Sicheres wissen. Im Gespräch wollten wir die Eltern nicht in die Lage bringen, möglicherweise zugeben zu müssen, selbst gefahren zu sein. Es könnte also auch sein, dass er von einem Motorrad angefahren wurde. Layan erlitt dabei eine schwere Kopfverletzung mit offenem Schädel, deren Narben noch heute sichtbar sind. Seitdem ist er in seiner Lernentwicklung verzögert und besucht deshalb dieselbe Klasse wie sein jüngerer Bruder Randy.

An Randy merkt man sofort, wie aufmerksam und klug er ist. Er saugt Wissen förmlich auf und beobachtet sehr genau. Auf die Frage, was er sich für die Schule wünschen würde, antwortete er, dass er gerne Bücher über Wissenschaft und Geografie zur Verfügung hätte. Layan würde sich am liebsten mit Mathematikbüchern beschäftigen. Dafür ist die geplante Einrichtung einer Bibliothek so wichtig.

Beide Jungen helfen zu Hause tatkräftig mit: Sie waschen Geschirr und Wäsche, holen Wasser vom Brunnen auf dem Schulgelände und helfen ihren Eltern beim Aufräumen der Zimmer. Neben den gewünschten Büchern wünschen sich beide vor allem eines für ihre Schule: Sportmaterial wie Bälle, Wurfbälle und Netze, damit sie dort mit ihren Freunden spielen können.

Beide gehen gerne zur Schule, weil sie, wie sie mit großem Enthusiasmus berichten, gerne lernen und natürlich auch ihre Freunde treffen können.