Zu Beginn dieses Jahres ist in ihrem Namen ein besonderer Fonds entstanden. Der Lilly-Köhler-Gedenkfonds wurde von ihrer Tochter Marina eingerichtet, um die Erinnerung an ihre Mutter mit einer ganz konkreten Hilfe für Kinder zu verbinden. Seit Januar ermöglicht er dauerhaft zehn Kindern aus sehr einfachen Verhältnissen den Schulbesuch an der Victory School in Mangily, Madagaskar.
Dieser Schritt ist eng mit dem Leben von Lilly Köhler verbunden. Sie wurde 1927 in Lettland geboren. Noch als Schülerin musste sie während des Zweiten Weltkriegs mehrfach ihre Heimat verlassen. Die Familie lebte zunächst in Polen, später führte ihr Weg weiter nach Deutschland. Diese Jahre waren geprägt von Unsicherheit, Verlust und der Notwendigkeit, sich immer wieder neu zu orientieren.
Lilly Köhler galt als sehr gute und ehrgeizige Schülerin. Bildung bedeutete für sie Zukunft und Möglichkeiten. Ein Abitur hätte ihren weiteren Lebensweg vermutlich deutlich erleichtert und ihr andere Wege eröffnet. Doch kurz vor diesem wichtigen Schritt zwang sie eine erneute Flucht, alles Vertraute hinter sich zu lassen.

Trotz dieser Erfahrungen hat sie nie aufgegeben. Sie gründete eine Familie, baute sich unter schwierigen Umständen ein neues Leben auf und nahm ihr Schicksal immer wieder mutig selbst in die Hand. Später gelang es ihr, auch ohne formale Ausbildung beruflich Fuß zu fassen und über viele Jahre in einer Bank zu arbeiten. Ihr Lebensweg zeigt, wie viel Kraft, Zuversicht und Entschlossenheit in ihr steckten.
Ihre Tochter beschreibt sie als einen Menschen mit großem Herzen und starkem Gerechtigkeitsempfinden. Besonders bewegt habe Lilly Köhler der Gedanke, dass Bildung und ausreichend zu essen zu haben für viele Kinder auf der Welt keine Selbstverständlichkeit sind. In einem persönlichen Text schreibt Marina Köhler-von Eichhorn:
„Dass es Länder gibt, in denen nicht jede oder jeder die Chance hat, eine Schule zu besuchen oder überhaupt genug zu essen zu haben, hat meine Mutter immer empört. Es ist in ihrem Sinne, dass mit ihrem Nachlass Kindern ein Weg zu mehr Chancen und Eigenbestimmung eröffnet wird.“
Aus dieser Haltung heraus entstand nach ihrem Tod im August 2024 der Wunsch, im Gedenken an Lilly Köhler etwas Bleibendes zu schaffen. Marina Köhler-von Eichhorn bat darum, statt Blumen oder Kränzen zu spenden. Aus diesen Beileidsspenden wurde der Gedenkfonds, der nun Jahr für Jahr konkrete Unterstützung ermöglicht.
Die Kinder, die dadurch gefördert werden, sind ehemalige Schülerinnen und Schüler unserer Grundschule Tsivonoe. Für ihre Familien wäre dieser weitere Bildungsweg an der Victory School ohne Hilfe nicht möglich gewesen. Inzwischen haben die Schülerinnen und Schüler mit dem Unterricht an ihrer neuen Schule begonnen.

In Gesprächen berichten sie von ersten Erfolgen, von Stolz und von Mut, aber auch von den Herausforderungen, die dieser neue Abschnitt mit sich bringt. Immer wieder erwähnen sie die große Dankbarkeit ihrer Eltern. Vertrauen und Hoffnung prägen diesen Neubeginn.
Für uns ist der Lilly-Köhler-Gedenkfonds weit mehr als eine finanzielle Unterstützung. Er verbindet eine Lebensgeschichte, die von erzwungenen Aufbrüchen geprägt war, mit neuen Wegen für Kinder in Madagaskar. Dass in ihrem Andenken Bildung nun ganz konkret möglich wird, berührt uns sehr. Unser besonderer Dank gilt Marina Köhler-von Eichhorn. Mit ihrer Entscheidung hat sie für ihre Mutter ein Zeichen geschaffen, das über den Moment des Abschieds hinaus wirkt und jungen Menschen Zuversicht schenkt. Ein stilles Gedenken, das Zukunft entstehen lässt.





