Auf fast jeder Reise zu unseren Projekten dürfen wir einige unserer Kinder auch zu Hause besuchen. Diese Begegnungen gehören zu den eindrücklichsten Momenten dieser Zeit. Sie zeigen uns, wie unsere Schulkinder leben, lernen und hoffen. Manchmal ist es für uns nicht leicht, Familien in ihren Häusern zu besuchen und Fotos zu machen – wir wollen nicht das Gefühl erzeugen, ihre Armut „auszustellen“. Und doch ist es notwendig, damit wir hier in Deutschland zeigen können, unter welchen Bedingungen die Kinder leben und wie herausfordernd es ist, überhaupt regelmäßig zur Schule zu gehen oder Hausaufgaben zu machen. Dabei bemühen wir uns immer, respektvoll zu bleiben und die Würde der Menschen zu bewahren. Wir teilen diese Eindrücke nur, wenn die Familien einverstanden sind – mit dem Ziel, Verständnis zu schaffen und Unterstützung zu ermöglichen.

Dieses Mal haben wir Bernadette und Robert von der Sekundarschule Mangily begleitet. Nach dem Unterricht machten wir uns gemeinsam mit den beiden auf den Weg. In der Mittagssonne liefen wir durch die sandigen Wege der kleinen Stadt. Bernadette und Robert trugen stolz ihre neuen Rucksäcke, gefüllt mit Heften, Stiften und Linealen. Kleine Dinge, die für sie so viel bedeuten. Ihr Lächeln sprach Bände.

Bei Bernadette

Bernadette ist 13 Jahre alt und besucht die 6ème, die erste Stufe der Sekundarschule. Sie lebt mit ihrer Mutter Marie Madeleine und ihren vier Geschwistern in Mangily. Der älteste Sohn ist 19 Jahre alt, arbeitet als Lohnarbeiter auf dem Bau und hat bereits ein eigenes Kind – das Kleinkind, das man unten auf dem Foto sieht. Ein weiterer Sohn, 16 Jahre alt, lebt in einem anderen Ort und geht nicht mehr zur Schule. Die beiden jüngeren Brüder, neun und sieben Jahre alt, gehen an die örtliche Grundschule Mangily. Der Vater hat die Familie verlassen, und seitdem sorgt die Mutter allein für alle Kinder, so gut es eben geht.

Ihre Hütte ist eine einfache Strohkonstruktion, wie sie hier überall zu finden ist. Die Wände sind aus getrocknetem Gras und Holz geflochten, das Dach mit Palmblättern gedeckt. Marie Madeleine mietet die Hütte für etwa acht Euro im Monat. Drinnen ist kaum Platz, und doch hat die Familie Glück, denn sie besitzt ein Bett und ein paar kleine Tische. Darunter wird alles aufbewahrt, was sie besitzen: einige Kleidungsstücke, ein Topf, ein paar Teller, etwas Geschirr und eine Wanne zum Wäschewaschen. Gekocht wird draußen über einem kleinen Feuer aus Holz und Kohle, so wie es fast alle Familien hier tun.

Marie Madeleine verdient ihr Geld mit Massagen am Strand, flechtet Haare und verkauft selbstgemachte Ketten. Doch der Verdienst ist unregelmäßig und hängt stark vom Tourismus ab. Wenn in der Regenzeit keine Touristen kommen, ist es schwer, das Nötigste zu kaufen. Für eine Stunde Massage erhält sie drei bis vier Euro, und wenn sie Glück hat, reicht das für die große Familie für ein paar Tage.

Trotz allem wirkt sie gefasst und freundlich. In ihrem Gesicht liegt eine Ruhe, die man kaum versteht, wenn man die Armut um sie herum sieht. Als wir sie nach ihren Wünschen fragen, sagt sie leise, sie hoffe, dass ihre Kinder einmal eine gute Arbeit finden und ein besseres Leben führen können. Bildung, sagt sie, sei der einzige Weg dorthin.

Bei Robert

Robert ist 16 Jahre alt und der Älteste von fünf Söhnen. Er besucht die 5ème (7. Klasse) und gehört zu den besseren Schülern seiner Klasse. Er hilft viel zu Hause und kocht oft für seine kleinen Brüder. Seine Eltern, Sonya und ihr Mann, mieten eine Hütte aus Holzbrettern.

Lebensumstände

Die Familie lebt in sehr einfachen, eigentlich kaum vorstellbaren Verhältnissen. Ihre Hütte besteht aus alten Holzbrettern, in denen sich überall Risse und Spalten befinden. Auch in der Decke sind große Löcher, durch die Wind und Regen ungehindert eindringen. Während der Zyklonzeit im Januar und Februar regnet es oft tagelang ohne Pause. Das Wasser dringt durch die Wände und von oben ein, der Boden wird völlig aufgeweicht, und die ganze Hütte verwandelt sich in ein feuchtes, matschiges Durcheinander.

Sonya erzählte uns, dass sie und ihr Mann dann versuchen, mit den wenigen vorhandenen Plastikplanen die schlimmsten Stellen abzudecken, damit sie nicht im Matsch schlafen müssen. Sie stopfen die Risse und decken die Löcher ab, so gut sie können. Doch es scheint fast unmöglich, das Wasser draußen zu halten. Der ganze Boden steht dann unter Wasser, alles ist nass, und trotzdem besitzt die Familie kein Bett, das sie etwas vom Boden trennen würde. Sie schlafen jede Nacht auf dem durchweichten Boden, nur auf einer dünnen Strohmatte, unter der eine Plastikplane liegt.

Wenn man in dieser Hütte steht, kann man sich kaum vorstellen, wie Menschen hier leben, geschweige denn schlafen können, während draußen tagelang der Regen prasselt, der Wind peitscht und die Sturmböen an der Hütte zerren. Einmal, so erzählte Sonya, hat ein Zyklon sogar eine ganze Wand der Hütte weggerissen.

Hoffnung, die verbindet

Wenn man mit diesen Müttern spricht, spürt man etwas, das alle Unterschiede überbrückt. In dem Moment, in dem sie von ihren Kindern erzählen, verändert sich etwas in ihren Gesichtern. Es ist, als ob für einen Augenblick die Sorgen verschwinden und Platz machen für Hoffnung, Liebe und den stillen Traum von einer besseren Zukunft.

Egal, ob in Madagaskar oder in Deutschland – wir alle wünschen uns, dass es unseren Kindern gut geht. Dieser Wunsch ist universell und verbindet uns über alle Grenzen hinweg.

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