Eine Theateraufführung ist nicht wirklich das, was man in einer Schule im Punjab erwartet. Unsere Mobilen Schulen “Miracle Suraj School” und “Miracle Kiran School” hatten das Glück eine Theaterpädagogin aus Deutschland zu Besuch zu haben, Salome, aus der Nähe von Köln. Sie ist auf unser Projekt aufmerksam geworden und hat ihr Wissen angeboten. Und so kam es, dass die Kinder ein Theaterstück einstudiert und aufgeführt haben.

Eineinhalb Monate verbrachte Salome in den Mobilen Schulen und unterrichtete die Kinder in Englisch und Mathematik auf freiwilliger Basis. In Deutschland arbeitet sie als Sozialarbeiterin mit dem Schwerpunkt Theaterpädagogik. Während Ihres Aufenthalts hatte sie die Idee, das Theaterspielen nach Pakistan in die Ziegelsteinfabrik zu bringen.

Theaterspielen bedeutet für sie nicht nur auf einer Bühne zu stehen, einen anderen Charakter darzustellen und am Ende beklatscht zu werden. Theaterspielen ist viel mehr. Es bedeutet, sich mit seiner eigenen Identität, Körpersprache, Emotion und Empfindung auseinander zu setzten und sie zu erspüren.

Theater, eine andere Welt

Der Hintergrund zur Durchführung dieser Theaterarbeit lag nicht in der Aufführung, sondern darin, den Kindern Raum zu geben, und einfach Kind sein zu dürfen. Kind sein bedeutet dabei auch zu spielen und sich auszuprobieren, in verschiedene Charaktere zu schlüpfen und Emotionen kennenzulernen ohne Konsequenzen erleben zu müssen. In den ersten Stunden war es den Kindern fremd, unterschiedliche Emotionen zu erspüren oder zu benennen. Die Lebensumstände der Kinder lassen Fragen nach dem Befinden nicht zu, jeder muss funktionieren. Jeder Einzelne scheint zu leben, um zu arbeiten und um sich zu ernähren.

Während den Proben hatten Salome und ihre kleinen Theaterschüler eine Menge Spaß daran in andere Rollen zu schlüpfen und Dinge darzustellen, die im Alltag keinen Platz finden. Das Kennenlernen von verschiedenen Charakteren und unsere selbstkreierte Geschichte, brachte den Kinder nicht nur die Möglichkeit in verschiedene Rollen zu schlüpfen, sondern stärkte in sichtbarem Maße auch ihr Selbstbewusstsein, ihre Identität und erfüllte sie mit Stolz. Die Geschichte, die später aufgeführt wurde, handelte von einem Elefanten, der sich nach langer Zeit aus den Fesseln seiner Wärter befreite und zu seinen Freunden in den Wald flüchten konnte.

 

Etwas völlig neues im Dorf

Ein Theaterstück in kürzester Zeit auf die Bühne zu bringen und vor einem Publikum zu präsentieren, war für kaum jemanden denkbar, nicht einmal für die Kinder/Darsteller selbst. Doch aus Erfahrung wusste die Theaterpädagogin, dass im Theater alles möglich ist. Neben dem wichtigen Entwicklungsprozess während der Proben, ging es auch darum, den Kindern das besondere Gefühl zu schenken, das entsteht, wenn nach einem Auftritt der verdiente Applaus und die verdiente Aufmerksamkeit und Wertschätzung, aufgesaugt werden darf. Die Darsteller waren selbst von sich und ihrer Leistung überrascht und durften zum ersten Mal das Gefühl erfahren, beklatscht zu werden. Ein Novum und eine Erinnerung, die sicher im Gedächtnis der Kinder bleiben wird.

Staunen überall

Das Publikum war erstaunt, hatte doch niemand ein Theaterstück unter diesen Umständen für möglich gehalten. Die Aufführung wurde als Anlass genommen, eine schöne Atmosphäre zu schaffen und den Gästen ein besonderes Ereignis, fernab vom tristen und harten Arbeitsalltag,  zu bieten. Dafür wurde ein großes Festzelt aufgebaut. Es wurden alle Eltern und Bewohner des Dorfes eingeladen und auch die Eltern der benachbarten Miracle Kiran School reisten an.

So wurde eine offene Bühne zur Verfügung gestellt, auf der die Kinder neben der Theateraufführung auch verschiedene Lieder und Gedichte vortrugen. 

Abschluss mit einer warmen Mahlzeit

Zum Abschluss bekam jeder Besucher einen gut gehäuften Teller mit Gemüsereis und konnte anschließend mit gefülltem Magen wieder nach Hause gehen, für viele ein Segen. Die Rückmeldung war durchweg positiv. Die Bewohner sagten, noch nie haben sie solch ein Fest auf diesem Gelände erlebt und niemals hätten sie gedacht, dass ihre Kinder im Stande wären, ein solches Theaterstück aufzuführen.

 

Salomes persönliches Fazit: “Es war definitiv ein tolles und auch nützliches Projekt, in jeglicher Hinsicht. Wenn man am Ende der getanen Arbeit in die stolzen und zufriedenen Gesichter der Kinder schaut, braucht es keine weiteren Erklärungen mehr.”

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